Wichtiges zwischen Hund und BegleiterLesedauer ca. 6 Minuten

© Renée Beyer

Grundlegendes: Einheitliche Grenzen

Für einen Hund sind einheitliche Regeln und Grenzen sehr wichtig. Vergleichbar ist es mit Kindern und ihrem Verhältnis zu ihren Eltern und Großeltern. Meistens erlauben ihnen die Großeltern mehr. Natürlich ist das normal. Der Unterschied liegt aber darin, dass ein Kind die Situationen bewusst unterscheiden und verstehen kann. Anders als bei einem Hund. Dieser kann nicht bewusst unterscheiden und stößt damit an „Unverständnis“.

Das folgende Beispiel verdeutlicht: Wenn ich meinem Hund verbieten würde auf das Bett zu gehen und ein anderer es ihm aber erlaubt, entsteht Unsicherheit. Es wird also passieren, dass der Hund irgendwann mal bei der falschen Person aufs Bett geht und dann natürlich Ärger bekommt bzw. wieder runter geschickt wird. Der Hund weiß nicht was los ist, warum darf er manchmal und warum manchmal nicht? Besonders Belgische Schäferhunde sind wahnsinnige Sensibelchen. Diese Unsicherheit und das Setzen von uneinheitlichen Regeln und damit verbundenen Strafen, zu denen allein das Runterschicken von der Couch zählt, führen irgendwann zu einer Frustrationsgrenze. Das muss nicht bedeuten, dass der Hund aggressiv wird, aber dass er irgendwann anfängt zu resignieren oder ständig unter Spannung steht („Darf ich das jetzt, oder nicht?“). Und so verhält es sich in jeden einzelnen Interaktionen zwischen Mensch und Hund. Egal ob bei dem Spaziergang, bei Freunden oder etwas anderem. Es geht also einheitlich nicht darum, wie viele immer denken, die Erziehung zwischen Hund und Halter zu ruinieren, sondern vielmehr, dem Hund ein stressfreien, glücklichen Alltag in jeder Situation schenken zu können. Das ist der Grundbaustein für einen gesunden Hund.

Bindung und Beziehung

Des weiteren ist auch die innere Ausgeglichenheit und Sicherheit des Hundehalters bzw. des Sitters nicht zu unterschätzen. Hunde sind sehr instinktive Geschöpfe und spüren auch jede kleinste Art von Verunsicherung, Angst, Stress, Wut, Freude oder Sonstiges. Das wirkt sich dann auf die Kommunikation zwischen Mensch und Hund aus. Ist ein Mensch z.B. unsicher, wird es der Hund auch. Hier ist nicht zu vergessen, dass dies einen Rückkopplungs- und Verdopplungseffekt haben kann: Ein unsicherer Mensch führt zu einem unsicheren Hund. Der Hund hört nicht mehr richtig zu und der Mensch wird sauer, ungeduldig und zerrt an der Leine. Der Hund zerrt dann auch, schreckt zurück oder reagiert rückkoppelnd mit Aggression. Der Kreislauf schließt sich, potenziert sich und nichts ist gewonnen. Beide sind unglücklich und angespannt und die Beziehungs- und Bindungsebene zwischen Hund und Mensch verschlechtert sich nachhaltig. Generell unterscheidet man zwischen der Bindung und der Beziehung zum Hund. Während man aktiv an der Beziehung zum Hund arbeiten kann, entsteht die Bindung passiv und wird durch das Verhalten und den Umgang des Menschen mit seinem Hund beeinflusst. Dazu zählt auch das Beispiel mit den einheitlichen Grenzen. Aktiv arbeite ich an der Beziehung indem ich Grenzen setze, während sich der Hund dadurch sicherer fühlt, denn er braucht einen Rudelführer, und das stärkt wiederum passiv die Bindung, denn beide sind glücklich. Beeinflussen wir hingegen durch genannte Beispiele die Beziehung ins Negative, verhält es sich wie beim Menschen: Der Hund distanziert sich.

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Stellt euch folgende Situation vor: Der Hund zerrt an der Leine. Der Mensch ruft und redet und manchmal schreit er sogar. Der Hund reagiert nicht.

Der Hund denkt sich, der Besitzer sei noch in der Nähe, also könne er weitermachen.
Oder er versteht nicht, warum wir so viel reden und was wir von ihm wollen.
Denn es ist nicht die natürliche Kommunikation des Hundes. Wir können den Hund zwar ein Stück weit auf die Kommunikationsebene des Menschen holen, ihn aber nicht dazu bringen sich dort vollkommen zu integrieren und uns zu verstehen.

Der Mensch versteht ebenso wenig den Hund. Aber es ist dessen Aufgabe, denn er benutzt hoffentlich seinen Verstand. Als Halter oder Sitter sollte man sich also vorher einen Einblick verschaffen, wie Hunde untereinander kommunizieren.

Das Fazit aus der Situation ist folgende, beide werden frustriert und Niemandem ist geholfen. Der Fehler liegt beim Menschen.

Doch es geht auch andersrum. Zwingen wir den Hund in ein überschwängliches Maß an Zuneigung und Aufmerksamkeit, die wir von ihm einfordern, distanziert er sich ebenfalls. Denn damit drücken wir den Hund in eine Rolle, die gar nicht für ihn geschaffen ist. Er könnte im weitesten Sinne denken, das Frauchen sei ja eh total auf ihn fixiert, dann könne er ja machen was er wolle. Des weiteren führt diese überschwängliche Zuneigung dazu, dass die Bindung des Hundes zum Menschen ungesund steigen kann. Das bedeutet, dass sobald der Mensch weg ist, der Hund extrem verunsichert ist und nichts mit sich anzufangen weiß. Drum schließe ich bspw. einfach mal hinter mir die Tür, wenn ich in einen anderen Raum gehe, um dem Hund zu zeigen, dass er nicht überall mit hinkommen und aufpassen muss (normales Rudelverhalten), sondern dass ich irgendwann zurückkomme und er unbesorgt bleiben kann. Das fördert den stressfreien Alltag auf beiden Seiten. Hier ist es also wichtig, immer aktiv durch verschiedene Trainingsarten an der Beziehungsebene zu arbeiten.

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Warum gehe ich so ins Detail?

Bevor ich euch ein paar Grundregeln und das dazugehörige Korrektur und Durchführungsverfahren benenne, möchte ich sichergehen, dass du verstehst, welchen Sinn es hat. Denn ich persönlich würde keine Handlung ausführen, wenn ich nicht wüsste, wofür. Mehr dazu gibt es in der nächsten Ausgabe!

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