Aller Anfang ist schwerLesedauer ca. 5 Minuten

© Jo Szczepanska auf Unsplash

Dass es bald eine Schülerzeitung oder besser eine Kollegiat*innenzeitung an unserem Kolleg gibt, hat ja bereits die Runde gemacht. Doch eine Zeitung herzustellen ist gar nicht mal so leicht.

Am besten ich beginne am Anfang. Vor mehreren Monaten hatte ich gemeinsam mit einem Klassenkameraden die Idee eine Kollegiat*innenzeitung ins Leben zu rufen. Doch wie legt man los? Das Wichtigste bei so einem Projekt ist doch Mitstreiter zu finden, fanden wir. Also schlugen wir in der Kollegiat*innenvertretung die Idee vor und erfuhren, dass wir nicht die Ersten waren. Das war für uns ein Volltreffer. Doch mussten wir geduldig sein, denn es galt erst einmal den Rahmen für das Projekt zu schaffen. Und so warteten wir. Ab und zu fragten wir mal nach, wie der Stand der Dinge war, wurden um Geduld gebeten und warteten weiter.

Anfang November gab es dann grünes Licht und schon fand das erste Treffen statt. Der Name der Zeitung war bereits festgelegt: Abi-Druck. Zu fünft saßen wir in einem der Kunsträume im dritten Stock und tauschten uns aus, sammelten Ideen, verteilten Aufgaben. Wenn man an einem Tisch sitzt mit motivierten und einfallsreichen Leuten, steigert das die eigene Motivation enorm. Natürlich gab es viele Fragen zu klären: Welches Seitenformat wollen wir? Wie viele Seiten soll die Zeitung haben? Drucken wir in Farbe oder in Schwarzweiß? Geben wir die Zeitung halbjährlich, vierteljährig oder gar monatlich heraus? Schreiben wir unsere Texte genderneutral? Und das waren bloß die unkomplizierten Fragen.

Nun setzte ich mich also vor den Rechner und suchte nach geeigneten Themen, ich überlegte, tauschte mich mit Anderen aus und fand schließlich was. Das nahm schon eine Woche in Anspruch. Eine Woche später beim zweiten Treffen stellten wir unsere Ideen vor und nickten unsere Vorschläge gegenseitig ab. Die Recherche kostete noch eine Woche und eine weitere für das Schreiben des Artikels. Blieb noch eine Woche bis zur geplanten Herausgabe zu Beginn des Dezembers.

Die anderen Projektteilnehmerinnen waren auch fleißig. Wir hatten schon einiges zusammengetragen, aber es war noch nicht genug. Wir wollten zwölf Seiten füllen und hatten gerade einmal die Hälfte. Bei einigen wuchs die Anspannung. Ich bat weitere Kollegiatinnen um Hilfe, doch die hatten natürlich nicht schon fertige Texte in der Hosentasche. Ich hatte für meinen ja auch Wochen gebraucht. Doch die Frage, die wir uns mittlerweile stellten war: Verschieben wir den Termin oder schreiben wir noch irgendwas zusammen und erzwingen die Herausgabe einer eigentlich noch unfertigen Zeitung?

Ich vermute, dass wir gerade aus dieser Unzufriedenheit heraus anfingen unsere Texte auf eine unhöfliche Art zu kritisieren. Und obwohl wir versuchten sachlich zu bleiben und dasselbe Ziel anstrebten, waren wir alle entnervt. In der Zwischenzeit waren wir zu neunt, doch der hoffnungsvolle Anstieg der Teilnehmer*innen war begleitet von Fragen struktureller Natur: Worüber schreiben wir eigentlich bzw. worüber wollen wir nicht schreiben? Was wollen wir erreichen? Wer entscheidet eigentlich was reinkommt und was draußenbleibt? Dürfen wir überhaupt politische Meinungen äußern?

Lange Debatten zermürbten die Nerven und immer, wenn wir eine Frage klärten kamen zwei neue auf. Die Zeit war auch nicht mehr unsere Freundin. Denn Aktuelles ist irgendwann eben nicht mehr aktuell. Erst drängte der Kalender, dann der Stundenzeiger und schließlich in einer Nacht von Sonntag zu Montag auch der Minutenzeiger und die Augenringe.

Es muss ein offenes Projekt sein, zu dem alle eingeladen sind, die mitmachen wollen.

Das mag jetzt überdramatisiert wirken und das ist es auch. Irgendwie muss man euch Leserinnen ja auch bei Laune halten. Aber schön war das alles trotzdem nicht. Auf die Grundsatzfragen hatten wir nicht dieselben Antworten und das entzweite das Team. Schließlich begriffen wir, dass es aussichtslos war. Meine Mitstreiter und ich verließen das Projekt und gründeten die KoZ. Die Motivation schoss wieder nach oben. Wir waren uns schnell einig, wie es bei der KoZ laufen soll. Es muss ein offenes Projekt sein, zu dem alle eingeladen sind, die mitmachen wollen. Jeder Kollegiat*in, kann sich in die Gestaltung der KoZ einbringen und ist Teil der Redaktion. Entscheidungen werden von allen gleichwertigen Redaktionsmitgliedern beschlossen und getragen. Ohne Anführer! Spinnen wir etwa?

Ich bin schon länger der Auffassung, dass demokratische Strukturen in den Alltag der Menschen gehören, also am Arbeitsplatz, in der Schule, im Verein und sonstigen Organisationen, die unser Leben viel mehr beeinflussen und viel greifbarer sind als Regierungen und Parlamente. Und warum sollen wir es nicht riskieren ein Projekt ohne Hierarchie zu gestalten? Wir können doch nur gewinnen. Und wir freuen uns über Unterstützung jedweder Art.

Vielleicht gibt es an unserem Kolleg bald zwei Zeitungen. Ich weiß leider nicht wie im anderen Zeitungsprojekt der Stand der Dinge ist. Vielleicht finden wir irgendwann wieder zueinander. In jedem Fall wünschen wir unseren Kolleg*innen viel Erfolg. Gerade an einem Kolleg sollte man kollegial sein.

Und euch viel Spaß mit der Zeitung bzw. den Zeitungen!

Über den*die Autor*in
Sophia Elias

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