HIV – eine Schwulenkrankheit!?Lesedauer ca. 5 Minuten

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Männer, die Sex mit Männern haben, sind ein Risiko für Männer, die Sex mit Männern haben. Das ist wohl so, Oder?

Hauptgrund sei die sexuelle Praktik des Analverkehrs: Ohne Kondom sei das Risiko einer HIV-Übertragung dabei rund 18-mal größer als bei ungeschütztem Verkehr zwischen Penis und Vagina. – Seit 1983 ist daher von der „Schwulenpest“ die Rede, wenn es um HIV oder AIDS geht. Seit die Krankheit 1981 bemerkt wurde, waren anfänglich nämlich vor allem homosexuelle Männer davon betroffen.

In 2019 wurden jedoch in Westaustralien erstmals mehr Neudiagnosen mit HIV bei Heterosexuellen, als bei Homosexuellen festgestellt. Das ist bisher noch nie passiert. Es kam in Westaustralien, und auch sonst nirgends vor, dass heterosexuelle Menschen sich häufiger mit HIV angesteckt haben, als Lesben oder Schwule.

Ist HIV dann jetzt also eine Heten-Pest? Sollten wir jetzt anfangen keinen Sex mehr zu haben, die Infizierten zu meiden oder gar einzusperren? – Heute, über 40 Jahre später, wissen wir, dass man sich nicht mittels Tröpfcheninfektion anstecken kann und dass Infizierte während der Behandlung selbst gar nicht mehr ansteckend sind. Wir wissen heute, dass man niemanden mehr ausgrenzen muss, wir wissen das, sind aufgeklärt und haben keine Angst mehr.

„Die Homosexuellen-Seuche „Aids“, eine tödliche Abwehrschwäche, hat Europa erreicht. Mindestens 100 Deutsche sind bereits erkrankt, sechs in den letzten Wochen gestorben. Die Ärzte sind ratlos: Über die Ursache wird nur spekuliert, eine Behandlung gibt es nicht. In den nächsten zwei Jahren wird die Zahl der „Aids“-Kranken dramatisch zunehmen. Sind dann auch Heterosexuelle, Frauen und Kinder tödlich gefährdet?“

Der Spiegel: 06.06.1983

Mittlerweile gibt es einen wirksamen Schutz gegen den Virus. Bei uns.

Als Prä- oder Postexpositionsprophylaxe (PrEP / PEP) bezeichnet man eine medizinische Notfall-Behandlung, um eine HIV-Ansteckung nach einer Risikosituation zu verhindern. PrEP hindert HIV daran sich zu vermehren. Die Selbstbehandlung/Therapie dauert vier Wochen und wird mittlerweile sogar von der Krankenkasse übernommen. (Früher mussten Infizierte ca. 600€/Jahr aus eigener Tasche für diesen Schutz bezahlen) Eine PEP senkt das Risiko einer HIV-Ansteckung um 90% und wird vom Arzt verschrieben. Diese Behandlung wird von vielen mittlerweile, wie die „Babypille“, als Standardschutzmedikament im Dauerhaften Einsatz verwendet. – Das funktioniert.

Das Recherchenetzwerk STRG+F, vom NDR, hat hierzu eine Reportage gedreht, in welcher ein berliner User zu Wort kommt. Die Interviewten scheinen etwas Angst vor dem Virus verloren zu haben. Sie sind ja auch viel aufgeklärter. Einer sagte zum Beispiel er kenne viele, die „ein bisschen sehr lax damit [Anm. d. Red.: Infektionsrisiko] umgehen.“ Sicher wegen der Möglichkeit sich einfach Medikamente holen zu können, die einen schützen.

In der gleichen Reportage fahren die Reporter allerdings auch nach Botswana, wo jede 5. Person HIV habe. In dem Land im Süden Afrikas betrifft das vor allem Heterosexuelle. Sie treffen auf Männer, die sich keinerlei Gedanken um das Risiko machen, Leute die denken, dass Kondome Bauchschmerzen verursachen und auch Leute, die ihren eigenen Status nicht kennen, obwohl sich jeder Mensch in Botswana kostenfrei testen lassen kann. Kondome gibt es in Krankenhäusern dort ebenfalls kostenfrei. PrEP und PEP hingegen nicht.

„Das größte Problem ist das menschliche Verhalten“

Die Teamleiterin eines Projektes, welches Menschen in Botswana aufsucht und kostenfreie Tests anbietet erklärt, dass das Problem oft einfach ignoriert wird. Sie fährt im Rahmen des Projektes TEBELOPELE (http://www.tebelopele.org.bw/) abgelegene „Dörfer“ an und testet die Leute, spricht mit ihnen und klärt auf. Dabei wird mir klar, dass die Menschen wissen, dass das tödlich enden kann. Einer sagt geraderaus, dass Infizierte töten. Dennoch gehe er das Risiko gelegentlich ein. Der Reporter fasst zusammen, dass es sicher die Stimmung kaputt macht, wenn man vor dem Sex nach dem Status fragt.

Wir sind, nicht zuletzt deshalb, natürlich leider immer noch nicht sicher vor HIV und der Virus wird uns wohl noch lange begleiten. Was jedoch sicher ist, ist, dass kranke Menschen heute nicht mehr gemieden werden müssen. Wir können aus der gleichen Tasse, wie eine infizierte Person trinken, können uns küssen, ohne uns anzustecken, sogar Petting ist drin. Der größte Risikofaktor sind Menschen, die infiziert sind und das nicht wissen und auch Menschen, die infiziert sind, das aber nicht kommunizieren und damit wieder neue Menschen anstecken.

Wenn Infizierte nicht langsam gesellschaftlich akzeptiert werden, statt ausgegrenzt oder gemieden zu werden, die Leute besser aufgeklärt sind und sich zu schützen wissen, könnten wahrscheinlich deutlich mehr Menschen offen über ihre Infektion sprechen und somit andere vor einer Ansteckung schützen. Selbstverständlich muss man daher selbst auch immer aufpassen und vielleicht sogar grundsätzlich misstrauisch oder vorsichtig sein.

Kostenlose HIV-Tests bieten z.B. Organisationen wie Mann-o-Meter, Pluspunkt oder andere an. Eine Beratung erhält man z.B. bei der deutschen Aidshilfe.

Play safe!

Über den*die Autor*in
Bastian Herbsleb
Redakteur -

Basti ist Redakteur der KoZ und seit der ersten Stunde Feuer und Flamme für dieses Projekt.

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