Social Media – Fluch oder Segen?Lesedauer ca. 5 Minuten

© Jessica Schwarz

Viele Leute sind täglich in den sozialen Medien unterwegs. Sie helfen uns „up-to-date“ zu sein, mit Freunden und Verwandten in Verbindung zu bleiben, aber auch völlig neue Kontakte aufzubauen, die durch räumliche Distanz niemals aufgebaut worden wären. Außerdem machen sie uns auf bestimmte Tatsachen, Skandale oder politische Bewegungen aufmerksam, inspirieren uns und helfen uns, uns neu zu erfinden.

So weit, so gut. Aber was steckt wirklich dahinter? Wieso zahlen wir nicht für Plattformen, an deren Entwicklung tausende studierter und gut bezahlter Personen tätig sind? Was macht diese Dauerbeschäftigung mit uns und wie gesund sind soziale Medien tatsächlich für unsere Gesellschaft?

Wie soziale Medien süchtig machen

Die Tech-Designer von Social Media Plattformen entwickeln Funktionen, um deren Nutzer länger am Gerät zu halten. Ein Großteil der Forschungen dazu beruht auf psychologischen Erkenntnissen und Experimenten. Der Nutzer wird hierbei hauptsächlich durch Belohnungen konditioniert.

Der Like-Button ist das wohl bekannteste Belohnungsinstrument, das in sozialen Medien verwendet wird. Hierbei wird durch den Erhalt von Likes und somit sozialer Anerkennung das Belohnungssystem im Gehirn stimuliert, welches daraufhin Dopamin ausschüttet. Dieses System wird übrigens auch beim Konsum von Drogen oder Süßigkeiten erregt. Das „Skinner Box Experiment“ veranschaulichte solche Belohnungs-Konditionierung und den dazugehörigen Lernprozess an Tieren.

Der Infinite-Scroll soll die Nutzer möglichst daran hindern, das Gerät zu früh beiseite zu legen. Ähnlich wie bei einer geöffneten Chipstüte, hat der Verbraucher dabei das Bedürfnis, erst aufzuhören, wenn nichts mehr übrig ist. Jedoch endet der besagte Scroll in diesem Fall nicht. Es sei bekannt, dass Menschen Probleme haben, ihren Konsum einzuschränken, wenn ihnen dieser nicht offensichtlich bewusst sei, so auch der ehemalige Professor für Konsumverhalten und Marktforschung, Brian Wansink. Sein Versuch namens „bottomless bowl“, in dem die Suppenschüsseln von Probanden stetig unbemerkt nachgefüllt wurden, zeigte auf, dass diese Personen unbewusst bis zu sechs Schüsseln aßen, bevor sie bemerkten, dass sie völlig satt waren.

Der Pull-to-refresh-Button ist mit einem Spielautomaten vergleichbar, dabei wird ein Hebel betätigt um eine Belohnung, in diesem Fall eine Aktion, zu erlangen. Emotionale Stimulation kann außerdem Wahrscheinlichkeiten, wie beispielsweise die Tendenz zu einem Gelegenheitskauf aus Freude erhöhen.

Natürlich ist nicht jeder Nutzer nach sozialen Medien süchtig, doch der Aufbau dieser Seiten ist darauf ausgelegt süchtig zu machen. Deshalb wurde mittlerweile unter der Mitwirkung mehrerer Psychologen der sogenannte „social media disorder scale“ entwickelt, ein Fragebogen, der helfen soll, diese Art von Sucht zu messen.

Vor allem für sehr junge Menschen scheint es ein Problem zu sein, dabei die Selbstkontrolle über die eigene Nutzung zu behalten. Im Rahmen der Studie „Nutzung von sozialen Medien“ der

forsa-Gesellschaft für Sozialforschung, bei der 1001 jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren befragt wurden, konnte man einen täglichen durchschnittlichen Nutzungswert von 166 Minuten ausmachen. Außerdem fiel auf, dass Mädchen im Durchschnitt länger soziale Medien nutzen als Jungs und das die Nutzung im zunehmenden Alter generell steigt.

© feel-ok.at – Quelle: DAK Studie 2017

Die Auswirkung auf die Gesellschaft

Aus sozialen Medien kann man viele Vorteile ziehen, man findet Gleichgesinnte, wird auf gewisse Geschehnisse aufmerksam und kann sich über sämtliche Themen informieren. Doch wie verlässlich sind diese Informationen und wie schnell können wir uns dazu verleiten lassen, die Quelle der Informationen nicht mehr genau zu hinterfragen? Es ist wohl unstrittig, dass wir gewissen Fakten eher Glauben schenken, ohne sie zu hinterfragen, wenn sie uns vermeintlich logisch erscheinen oder unsere Meinung stützen.

Doch welche Informationen wir genau erhalten, bestimmen wir seltener, als wir denken.

Ein kleiner Selbsttest: Wie oft sucht ihr explizit nach gewissen Themen, im Vergleich dazu, wie häufig ihr plötzlich mit Informationen konfrontiert seid?

Welche Nachrichten einem Nutzer als erste angezeigt würden, sei auf den Nutzer zugeschnitten und meinungsbildend, jedoch handle es sich hier auch um Falschmeldungen und das außer Acht lassen kontroverser Themen, die dem Nutzer nicht zusagen würden, so der ehemalige Google-Mitarbeiter Tristan Harris.

Natürlich gab es schon immer die Verbreitung von Lügen und Falschmeldungen. Jedoch gingen sie wohl niemals so schnell viral, wie es vom Internet gegenwärtig ermöglicht wird. Welche Folgen „Fake news“ haben können, sind leicht zu beobachten.

Bekannte Stichwörter hierzu sind Donald Trump, Coronapandemie, radikale Szenen, usw.

Man könnte wohl sagen, dass soziale Medien einen unstrittigen Einfluss auf unsere Gesellschaft und auch auf das Privatleben der Einzelnen hat. Jedoch bringen sie auch viele Vorteile mit sich, von denen die Nutzer profitieren können.

Wichtig ist das Bewusstsein, das man im Umgang mit diesen Netzwerken haben sollte, um diese Vorteile wirklich effizient nutzen zu können. Deswegen sollten wir stetig hinterfragen, wie selbstbestimmt unsere Nutzung tatsächlich noch ist und wie abhängig wir von dieser sind.

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Madeline Straßer

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