Frau Doktor, können Sie mich sehen? – Telemedizin-Arztbesuche im Zeitalter der DigitalisierungLesedauer ca. 3 Minuten

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Wir alle kennen bereits Werbungen, in denen ein oft schon ergrauter Mensch hinter dem Bildschirm sitzt und mit einem anderen Menschen im weißen Kittel kommuniziert. Die Telemedizin verspricht eine schnellere und effektivere Versorgung von Patienten. Doch was ist Telemedizin überhaupt, wem soll sie helfen und wie wird sie bereits genutzt?

Zum Begriff: Telemedizin ist die Diagnostik, Verhütung und ggf. auch Heilung von Erkrankungen mittels neuer, elektronischer Medien.

Überwindung rechtlicher Grauzonen:

Im Mai 2018 stimmte die Mehrheit der Delegierten des Ärztetages über eine Lockerung des berufsrechtlichen Verbotes der ausschließlichen Fernbehandlung ab. Seitdem ist eine Beratung und Behandlung auch ohne persönlichen Erstkontakt möglich.

Telemedizin – in Berlin, Brandenburg und auf hoher See:

Trong-Nghia Nguyen-Dobinsky ist gelernter Schiffbauingenieur und hat an der Charité seinen Doktor in Medizininformatik erworben und dort die Entwicklung der Telemedizin in Angriff genommen. Zusammen mit Dr. Karl-Gerhard Eick ist er vertretungsberechtigter Geschäftsführer der GHC Global Health Care, welche das Medizinprodukt AescuLink-Systeme entwickelt hat.

AescuLink deckt den medizinischen Notfall, sowie die Regelversorgung ab, durch „synchrone Mehrweg-Übertragung von audiovisuellen, textuellen und medizinischen Informationen, sowie völlige Synchronisation zwischen Leitstellensoftware, Telemedizinsoftware und Einsatzdokumentationssoftware = Verwechselung von Patienten ausgeschlossen.“ (Zitat GHC-Website, Produktlinie AscueLink-Systeme)

Zum Einsatz kommt AescuLink unter anderem in der Schifffahrt, in den Offshore-Windparks, im ländlichen Raum und in der Luftfahrt.

Lösung für den ländlichen Ärztemangel?

In der angehängten Broschüre der GHC-Website wird der Leser über das Prinzip der Telemedizin in der ländlichen Versorgung informiert. Für Patienten, die aufgrund von Krankheit, Alter und einer schlechten Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel kilometerweit von ihrer Hausärztin getrennt sind, soll die Telemedizin den Hausbesuch ersetzen. Statt der Ärztin fährt nun eine Assistentin zum Patienten / zur Patientin. Neben der gängigen medizinischen Ausstattung, hat sie – in diesem Fall – das AescuLink-System dabei. Für die Ärztin entfällt somit „die unproduktive Zeit der Anfahrt“. Via AescuLink wird die Verbindung zur Hausärztin hergestellt und sie kann somit durch Videoübertragung in Echtzeit die Anamnese durchführen. Die Assistentin erhält Anweisungen der Ärztin und die Vitalwerte werden augenblicklich in die Praxis übertragen. Die Teleärztin ist so in der Lage eine zutreffende Diagnose zu stellen, als wäre sie vor Ort. Danach können Angehörige in das AescuLink-System eingewiesen und die Betreuung und Übertragung der Vitaldaten kann in den nächsten Tagen fortgeführt werden.

Markt der Digitalisierung

Die Telemedizin wird bereits von den sogenannten Telemedizinern in vielen Bundesländern Deutschlands genutzt. Als Notfallmedizin für schlecht zugängliche Gebiete kann sie Zeit sparen und Leben retten. Doch gibt es auch kritische Meinungen, wie die des Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, Wolfgang Krombholz, der „ Fernbehandlungs-Beschlüsse (…) von kommerziell interessierten Kreisen missbraucht“ sieht, „die da Angebote mit verbinden und über die Digitalisierung einen Markt erschließen wollen.“ Unternehmen wie AUSchein.de und Docmorris profitieren von dem gelockerten Gesetz und ziehen Kunden mit Krankenscheinen und Rezepten ohne persönlichen Arztbesuch an.

Probleme bei der Umsetzung

Für die ländliche Versorgung gilt es noch Hürden, wie eine kontinuierliche Netzabdeckung zu überwinden. Denn die beste Telemedizin nützt nichts, wenn die Internetverbindung zu schlecht ist. Zudem müssen medizinische Ausrüstungen an die Telemedizin angepasst werden. Auch ist die Frage der Abrechnung noch nicht geklärt. Denn erst wenn ein Kassenpatient die Chipkarte in der Arztpraxis hat einlesen lassen, kann eine Behandlung per Telemedizin erfolgen. So ist die Telemedizin zunächst nur für Privatpatienten anwendbar.

Über den*die Autor*in
Nadja Böllinger

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