Wahlkampf am Treptow-KollegLesedauer ca. 6 Minuten

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Die Kollegiat*innenvertretung (KV) steht kurz vor der Wahl eines neuen Vorsitzes. In diesem Zusammenhang wurde in der KV vorgeschlagen, die nächsten Vorsitzenden direkt von der gesamten Kollegiat*innenschaft wählen zu lassen.

Der Vorschlag kommt von Marco, Klassensprecher der ES2: „Die bisherige Vergabe des KV-Vorsitzes schloss die Beteiligung aller Kollegiat*innen am Treptow-Kolleg leider aus. Mit der Umstrukturierung der Wahl des KV-Vorsitzes schaffen wir am Treptow-Kolleg einen direkteren demokratischen Prozess, der es ermöglicht ohne jegliche Hürden die Kollegiat*innen mit einzubeziehen.“

Tatsächlich ist es gesetzlich so vorgesehen, dass an jeder Berliner Schule ein*e Schulsprecher*in und bis zu drei Stellvertretende von allen Schüler*innen aus ihrer Mitte gewählt werden soll. Doch wir sind an einem Kolleg und nicht an einer Kinderschule. Betrifft uns dieses Gesetz überhaupt? Laut der zuständigen Oberschulrätin Christiane Obst müssten auch die Schulen des Zweiten Bildungsweges die rechtlichen Vorgaben des Schulgesetzes einhalten.

Sollte die KV den Vorschlag umsetzen, könnten bald Wahl-plakate im Kolleg hängen und Infoblätter der Kandidaten herumgehen. Doch gibt es dazu eine Mehrheit in der KV?

Es gibt derzeit zehn Mitglieder in der KV. Die amtierenden Vorsitzenden waren zu einer Stellungnahme nicht bereit. Die überwältigende Mehrheit der KV-Mitglieder, die mit einer Stellungnahme einverstanden waren, sind für eine Direktwahl. So beispielsweise Adriana, Klassensprecherin der EFL: „Die Umsetzung des Vorschlags würde vor allem für Chancengleichheit unter den Kollegiaten sorgen.“ Und Nadja, Klassensprecherin der ES1, findet es sei sehr wichtig in unserer Schule Demokratie zu leben. Für sie sei das Treptow-Kolleg ein idealer Ort, um Dinge wie Wahlen auszuprobieren, um im Kleinen herauszufinden, wie ein Wahlkampf funktioniere, wie man ein Wahlkomitee aufstelle und welche Arbeit dahinter stecke.

Andere jedoch sind skeptisch, wie beispielsweise Josephine, Sprecherin der K4: „Wenn das Interesse in der gesamten Schülerschaft vorhanden ist, wäre das eine gute Idee. Leider hegen nicht alle Interesse an der KV, sodass die Wahlen in der Vergangenheit und bis heute die Kollegiatenvertreter übernommen haben. Dies hat bisher immer gut und kritiklos funktioniert.“ Und Herr Klose, Vertrauenslehrer und beratendes Mitglied der KV, findet ebenfalls das bisherige Vorgehen sei sinnvoll.

Interessieren sich die Kollegiatinnen unseres Kollegs wirklich nicht für die Kollegiat*innenvertretung?

Vermutlich haben die Hälfte der Kollegiatinnen für die Themen der KV überhaupt kein Interesse oder schlicht keine Zeit. Das würde sich nicht ändern, wenn wir Direktwahlen veranstalten würden, doch jemanden zu wählen ist nicht zeitaufwendig. Und genau deshalb wählt man ja Vertreterinnen, die ehrenamtlich die, teilweise zeitlich sehr aufwendigen, Aufgaben einer KV übernehmen. Es ist keine Selbstverständlichkeit zehn KV-Mitglieder zu haben und es war auch nicht immer so. Laut Frau Haase, Schulleiterin des Treptow-Kollegs, sollen früher Schüler froh gewesen sein, wenn es so etwas wie die KV überhaupt gab. Das habe sich mit der Zeit etwas gewandelt.

Es ist schwierig zu sagen, wie die Kollegiat*innenschaft insgesamt dazu steht, da eine kollegweite Umfrage nie stattfand. Die Sprecher*innen haben jedoch die Möglichkeit während der Unterrichtszeit in Absprache mit den Lehrkräften, das Gespräch mit der Klasse zu suchen und sich mit ihnen zu beraten. So wisse beispielsweise Bastian, Klassensprecher der ES2, aus einer Umfrage in seiner Klasse, dass nur ein*e Einzige*r für das bisherige Wahlverfahren sei.

Was würden uns Direktwahlen und Wahlkampf bringen?

Natürlich sollten wir nicht zu Paragraphenreitern werden, die jedes juristische Detail peinlich genau befolgen, doch in diesem Fall gäbe es Vorteile wenn wir es täten. Durch direkte Wahlen würden wir viel mehr von der KV mitbekommen. Die Vorsitzenden hätten eine viel größere Legitimation und Bekanntheit, wenn sie nicht nur von einigen wenigen Kollegiat*innen gewählt werden würden, sondern von hunderten. Das wäre doch mal eine spannende Abwechslung.

Deshalb ist es ratsam, dass auch die Vorkurse, noch vor dem 19. Februar, Klassensprecher*innen wählen, damit sie an der nächsten KV-Sitzung teilnehmen, mitreden und sich bestenfalls dafür einsetzen, dass KV demokratischer wird. Eine demokratische Gesellschaft finden wir alle gut und am besten beginnt man dort, wo man es jeden Tag spüren kann. Da wo wir jeden Tag hingehen, viel Zeit verbringen und – konkret bei uns – im Unterricht ständig zustimmen, wie wichtig Demokratie ist. Ist es dann nicht so, dass wir auch auf der kleinen Ebene den Mut zu Demokratie und Transparenz haben sollten?

Die Wahl des KV-Vorsitzes ist nicht die einzige Abweichung vom Schulgesetz. So haben Neumitglieder in der KV erst ab der dritten Teilnahme an den Sitzungen ein Stimmrecht.

In dieser Frage sind die KV-Mitglieder durchaus gespalten. So findet Josefine: „Jeder kann zu den Sitzungen kommen und etwas beitragen was ihm auf dem Herzen liegt. Um stimmberechtigt zu sein muss man jedoch etwas tiefer in die Materie steigen. Durch diese dreimalige Anwesenheit beweist der/die Kollegiat/in sein/ihr Interesse an der gesamten Schülerschaft. Es sichert also vor eventuellen Spontan-Beschlüssen durch Kollegiaten, welche diese aus dem Affekt heraus, eventuell nicht zu Ende gedacht, durchsetzen wollen.“

Richard, Klassensprecher der EFL sieht das anders: „In keinem Parlament, Betriebsrat oder Unternehmensvorstand gibt es so eine Regelung. Man stelle sich mal vor, ein gewählter Abgeordneter müsse erst an 3 Bundestagssitzungen teilgenommen haben bis er über Gesetze mitbestimmen darf. So eine Regelung ist undemokratisch und einfach schlecht nachvollziehbar. Die Klasse wählt einen Klassensprecher und dieser müsste mit sofortiger Wirkung stimmberechtigt sein!“

Es gibt auch andere Aufgaben, die Vertreter*innen an unserem Kolleg wahrnehmen. Vier Kollegiat*innen bilden gemeinsam mit vier Lehrkräften und der Schulleiterin Frau Haase die Kollegkonferenz.

Diese ist das oberste Beratungs- und Beschlussgremium der schulischen Selbstgestaltung am Treptow-Kolleg. Sie dient der Zusammenarbeit von Kollegiat*innen und dem Schulpersonal. Spätestens seit dem Beschluss der aktuellen KV-Satzung ist es so, dass die KV-Vorsitzenden automatisch auch die Vertreter*innen für die Kollegkonferenz sind.

Auch hier sind die Meinungen der KV-Mitglieder sehr durchmischt. Marco, von dem der Änderungsvorschlag kam, meint: „Generell muss die derzeitige Satzung der KV überarbeitet und diskutiert werden. Ich hoffe, dass wir mit dem Zustandekommen einer ordentlichen Wahl des KV-Vorsitzes auch die Satzung der KV angemessen und ohne Hürden gestalten können.“

Die Tabelle soll ein grobes Meinungsbild der KV-Mitglieder darstellen, welches jedoch heruntergebrochen ist und nicht die differenzierten Meinungen der Sprecher*innen und beteiligten Lehrkräfte abbilden kann.

Über den*die Autor*in
Georgios Lambrou
Redakteur -

George ist Redakteur der KoZ und seit der ersten Stunde Feuer und Flamme für dieses Projekt.

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