Wortlautinterview mit den Sozialarbeiter*innenLesedauer ca. 10 Minuten

Wir haben im Februar ein Interview mit unseren Sozialarbeiter*innen Maren Koch und Stefan Schachtner geführt. Die Antworten waren so ausführlich, dass wir uns für die Form des Wortlautinterviews entschieden. Dennoch passten nicht alle Informationen und Antworten auf die vorgesehene Doppelseite. Im Internet geht das sogar alles auf eine Seite. 😉

Was genau sind Sozialarbeiter*innen eigentlich bzw. was sind eure Aufgaben am Kolleg?

Sozialarbeit ist eigentlich dazu da, sich überflüssig zu machen. Im besten Falle gehen die Leute aus der Beratung und wissen, wie sie sich selbst helfen können. Wäre schön, wenn es immer so einfach wäre: laut Definition bedeutet es „psychosoziale und materielle Betreuung bestimmter Personen oder Gruppen, die aufgrund ihres Alters, ihrer sozialen Stellung, ihres körperlichen oder psychischen Befindens der Unterstützung bedürfen.“ Da wir bereits in sehr unterschiedlichen Feldern, wie der Jugendhilfe, der Drogenhilfe, der Betreuung von Menschen mit psychischem Problemen, sowie der Hilfen zur Erziehung gesammelt haben, können wir aus all den Bereichen für die Arbeit hier etwas mitnehmen. Unsere Aufgabe besteht hier vor Ort in erster Linie in der Beratung zu allen möglichen Themen, aber auch die Stärkung von Themen, die wir im Schulalltag wichtig finden. Das sind Themen, wie Gleichbehandlung, erwachsenengerechter Umgang oder Sensibilisierung für Diskriminierung.

Zudem bieten wir auch in Kürze 2 AGs an: Maren wird eine AG zu Stressbewältigung und Achtsamkeit anbieten, Stefan zu Medienkompetenz.

Seid ihr direkt am Kolleg angestellt?

Wir sind über den Jugendhilfeträger Stützrad GgmbH angestellt, der mit dem Kolleg einen Kooperationsvertrag abgeschlossen hat. Der Träger macht auch an anderen Schulen seit vielen Jahren Schulsozialarbeit.

Welche Vorgaben macht der Träger?

Unser Träger lässt uns sehr viel Freiheit in unserer Arbeit, was auch auf gegenseitigem Vertrauen aufbaut. Natürlich gibt es auch qualitätssichernde Vorgaben, wie zB. Datenschutz, Dokumentation, Arbeitszeiterfassung.

Wie ist das, wenn man zu euch kommt? Ich kann mir vorstellen, dass man erst mal ein mulmiges Gefühl hat, wenn man euch um Hilfe bittet.

Das ist ganz unterschiedlich. Für Manche ist es vielleicht wirklich das erste Mal, dass sie jemand Fremden um Rat oder Unterstützung bitten. Wir hoffen aber, dass wir diese Anfangsskepsis schnell nehmen können. Wir sagen ja immer wieder, dass Ihr mit allen Anliegen zu uns kommen könnt. Vielleicht haben wir nicht immer sofort eine Lösung parat, aber wir können uns dann gemeinsam darum kümmern. Es gibt auch Kollegiat*innen, die bereits Erfahrung mit Hilfesystemen haben und uns hier als zusätzliche Unterstützung annehmen. Auch dafür sind wir da!

Kommen auch Lehrkräfte mit Problemen zu euch?

Ja, das kommt zwar noch nicht so häufig vor, aber wir haben auch schon Lehrkräfte beraten. Dort ging es meist um die Rexlexio des eigenen Verhaltens in schwierigen Unterrichtssituationen. Wir begrüßen das sehr, wenn sich Lehrkräfte an uns wenden. Hier arbeiten unterschiedliche Menschen miteinander und so etwas stellt uns alle mal vor die eine oder andere Herausforderung. Das muss niemand mit sich alleine ausmachen.

Gibt es eine Verschwiegenheitspflicht bei euch? Wo endet diese?

Klar gibt es Schweigepflicht und Datenschutzrichtlinien! Das ist uns auch ganz wichtig. Wir beide tauschen uns natürlich untereinander aus und in manchen Fragen auch mit unserer Bereichsleitung. Für uns am Kolleg ist es sehr wichtig zu betonen, dass wir die Schweigepflicht wahren und uns nicht mit dem Lehrer*innenkollegium austauschen. Als Sozialarbeiter*in gibt es natürlich gesetzliche Grenzen für die Schweigepflicht, z.B. wenn es um Kinderschutz geht. Sollte es da innerhalb unserer Beratung dazu kommen, würden wir erst einmal aufklären, bevor wir irgendetwas melden würden.

Woher weiß ich, ob ich zu den Vertrauenslehrer*innen oder zu euch gehen sollte?

Die Vertrauenslehrer*innen, Frau Caulk und Herr Klose, kennen sich vor allem mit den schulischen Belangen viel besser aus als wir. Gerade wenn es bei gesundheitlichen Problemen oder Krisen um Fehlzeiten oder Notenabfall geht, können die beiden gemeinsam mit euch überlegen, was man machen kann. Letztendlich könnt ihr aber auch nach eurem Gefühl gehen und euch auch mit anderen Anliegen jederzeit an die Vertrauenslehrer*innen oder an uns wenden.

Wo kann man euch finden und wie sind eure Sprechzeiten?

Ihr findet uns im Raum 205. Dort sind wir montags – donnerstags. Die offene Sprechzeit ist von 11:00 – 14:00, wir sind aber meist den ganzen Schultag hier und können auch davor oder danach Termine mit euch vereinbaren. Schaut einfach rein oder meldet euch gerne auch telefonisch oder per Mail. Die Kontaktdaten findet ihr an der Tür von 205 oder im Haupttreppenhaus an der Infotafel.

Klick einfach auf´s Bild und du kannst direkt mailen.

Mit welchen Problemen kommen Kollegiat*innen am häufigsten zu euch? Könnt ihr da immer helfen? (Wenn ja: Wie?)

Wie schon gesagt, kommen die Kollegiat*innen mit den unterschiedlichsten Fragen und Problemen zu uns. Häufig geht es zB. um Behördenpost, Jobcenter oder BAFÖG. Bei den behördlichen Angelegenheiten geht es oft ins Detail und dann um rechtliche Fragen, die wir manchmal auch nicht direkt beantworten können. Dann recherchieren wir entweder oder vermitteln auch zu spezifischen Beratungsstellen, wie zB. einer Sozialberatung oder Schuldnerberatung. Es geht aber auch oft um persönliche Krisen oder familiäre Probleme. Manche kommen zu uns auch wegen Stress mit der Alltagsbewältigung und brauchen eine Perspektivplanung. Unsere Beratung geht allerdings auch bis hin zum Umgang mit Depression oder Sucht.

Manchmal hilft es schon ein offenes Ohr anzubieten, über ein bestimmtes Thema zu sprechen oder in einer Krisensituation vielleicht eine kurze Entspannungsübung zu machen. Unserer Grundlagen entstammen dabei der systemischen Beratung. D.h. dass wir keine Lösungen anbieten, sondern durch bestimmte Fragen herausfinden, was für euch die jeweils individuell passende Lösung ist.

Was macht ihr, wenn ihr merkt, dass ihr nicht helfen könnt?

Da ist uns in erster Linie wichtig, das offen auszusprechen. Wir versuchen dann gemeinsam zu schauen, wie es weitergehen kann, wer vielleicht stattdessen helfen könnte.

Habt ihr vorher schon an Schulen gearbeitet? Wo ist der Unterschied im Vergleich zu einem Kolleg?

Wir haben beide bisher nicht an Schulen gearbeitet.

Seit wann seid ihr Sozialarbeiter*innen?

Maren: ich habe mein Studium 2005 abgeschlossen und arbeite seitdem in unterschiedlichen Bereichen als Sozialarbeiterin. Letztes Jahr habe ich dann noch meine Weiterbildung zur systemischen Therapeutin für Einzelne, Paare und Familien abgeschlossen.

Stefan: Mein Studium liegt auch schon einige Zeit zurück (2003), ich habe während und nach dem Studium lange Jahre in der Drogenhilfe gearbeitet, irgendwann hab ich dann in den Jugendbereich gewechselt, in dem ich ja heute noch Teilzeit arbeite. Meine medienpädagogische Zusatzausbildung hab ich 2015 gemacht und hab seitdem auch immer mal wieder parallel Teams und Eltern zum Thema Medienkonsum beraten.

Wieso habt ihr euch ausgerechnet für diesen Beruf entschieden?

Maren: Ui, spannende Frage! Ich wollte eigentlich damals kein Abitur machen und direkt eine Ausbildung zur Erzieherin machen. Meine Eltern hatten mich dann zum Abitur überredet und dann kam das Studium der Sozialarbeit ins Spiel. Ich bin jetzt sehr froh über meinen Beruf. Mir macht es Spaß Menschen zu beraten und mit ihnen gemeinsam herauszufinden, welcher Weg für sie der Richtige ist. Ich mag die Vorstellung von Sozialarbeit nicht, in der es darum geht Menschen in vorgefertigte Wege oder Muster zu führen, die vielleicht gar nicht zu ihren eigenen Wertvorstellungen passen.

Stefan: Bei mir war es der Zivildienst der mich nach dem Abi auf die soziale Schiene gebracht hat . Ich war Betreuer in einem Wohnheim für behinderte Menschen, die Verantwortung, die ich damals mit 19 Jahren für andere übernehmen musste, hat mir in der persönlichen Entwicklung viel gebracht. Nachdem ich zuvor lange nicht wusste welchen Weg ich einschlagen soll bin ich eigentlich mehr über Freunde aufs Studium gekommen.

Wie kann die KoZ euch unterstützen?

Uns freut es sehr, dass ihr dieses Interview mit uns führt und wir damit nochmal mehr Kollegiat*innen über unsere Arbeit aufklären können. Wir hoffen den einen oder die andere dadurch zu motivieren mit Fragen und Anliegen zu uns zu kommen.

Möchtet ihr noch etwas sagen?

Also erst einmal vielen Dank an euch! Und sowieso Gratulation für diese tolle Zeitung!

Wir würden an dieser Stelle vielleicht nochmal unsere AGs ankündigen:

Die Ankündigungen hängen wir auch an den Infotafeln aus.

Chill mal! – AG zu Stressbewältigung und Achtsamkeit – bei Maren
Jeden 1. Mittwoch im Monat: 09:15 – 10:15 Uhr
Jeden 3. Montag im Monat 16:00 – 17:00 Uhr

In der AG werden wir zusammen Entspannungsübungen, kleine Atemübungen und Meditationen lernen und durchführen. Zudem werden wir auch ab und zu einen kleinen theoretischen Teil anbieten, in dem wir über Stress/ Stressauslöser und Stressbewältigung sprechen. Ihr könnt da auch gerne eure Ideen und Wünsche einbringen.

AG Medienkompetenz – von Stefan

Dazu werde ich euch in Kürze erst mehr sagen können. [Anm. d. Red.: Infos werden dann an dieser Stelle angezeigt]

Über den*die Autor*in
Bastian Herbsleb
Redakteur -

Basti ist Redakteur der KoZ und seit der ersten Stunde Feuer und Flamme für dieses Projekt.

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