Endlich gibt es wieder Innovationen in der SmartphoneindustrieLesedauer ca. 5 Minuten

© Daniel Romero auf Unsplash

Als Apple 2009 sein erstes iPhone vorstellte, begann eine Ära, die die Welt für immer verändern sollte. Elf Jahre später ist der praktische Begleiter nicht mehr wegzudenken. Die neu begründete Produktsparte der Smartphones stellte Jahr um Jahr technische Innovationen und Leistungsrekorde vor. Unzählige große und kleine Hersteller produzieren die Taschencomputer und verdienen damit Milliarden.

In den ersten Jahren entwickelten sich die Technologien hinter den Geräten rasant. Die Prozessoren wurden leistungsstärker, die Software ausgeklügelter. Anfangs waren die Paneele im Schnitt 4 Zoll groß und hatten eine klobige Form. Heute sind die Bildschirme standardmäßig 6 Zoll groß und reichen an die 6,9 Zoll ran. Das Gerät an sich wurde immer schlanker und handlicher. Es zogen Kameras mit stetig steigender Megapixelzahl ein und auch so manche neue Hardware etablierte sich. Samsung kombinierte etwa das Smartphone mit einem Stift erschuf mit wachsenden Bildschirmen die sogenannten Phablets. Apple brachte den Fingerabdrucksensor heraus, ein kleines Stück Hardware, dass heute in fast jedem Handy eingezogen ist.

Irgendwann erreichte die Industrie einen Punkt, an dem es außer der besseren Technik keinen Fortschritt mehr gab. Revolutionen blieben aus, stattdessen verfing man sich in einer endlosen Evolution. Mehr Leistung, größere Bildschirme mit höheren Auflösungen, bessere Kameramodule oder bessere Akkus. Wirkliche Innovationen blieben eben aus, es entstand ein kontinuierlicher Ablauf, wirkliche Überraschungen fehlten. Es wurde ein Punkt erreicht, an dem das Design nichts mehr hergab. Seit Apple 2017 allerdings den Anfang von randlosen Frontseiten mit seinem iPhone X einleitete, fing sich das Rad der Innovationen endlich wieder an zu drehen. Nun kämpften vor allem die etablierten Hersteller darum, wer als erster eine Display to body ratio, also dasVerhältnis von Display zur Front, von hundert Prozent erreicht. Schon ein Jahr später präsentierten unter anderen die weniger bekannten chinesischen Hersteller wie Vivo und Oppo verschiedene Konzepte und sogar marktreife Endprodukte. Da waren auf einmal ausfahrbare Frontkameras oder Slidersmartphones, die versuchten haben, die Kamera auf der Front anderswo hinzuverlagern. Immerhin ist diese ein Hindernis für den rahmenlosen Bildschirm. Eine andere Lösung ist die Punchhole-Kamera, also ein Loch im Display, das die Knipse beherbergt. Das wohl beste und zugleich komplizierteste Konzept sieht vor, den Bildsensor unter das Panel zu packen. Hierbei birgt die Lichtdurchlässigkeit noch arge Probleme, weshalb es bis zum Endprodukt noch eine längere Entwicklungszeit braucht.

Eine weitere Revolution erfuhr die Ohrmuschel, welche wir zum Telefonieren nutzen oder in manchen Geräten auch als Lautsprecher verwenden, denn auch sie ist heute unter dem Display verschwunden. Das wurde mit einer raffinierten Idee gemacht, in dem die Schwingung des Displays genutzt wird, um die Schallwellen zu übertragen. Heutzutage wird diese Technologie etwa bei immer dünner werdenden Fernsehgeräten angewandt. Auch der Fingerabdrucksensor wurde darunter verlagert und scannt den Finger zum Beispiel mittels Ultraschall. Irgendwo hat jeder Hersteller seine eigenen Lösungen gefunden, die vom Prinzip her sehr ähnlich funktionieren. Viel tiefer ins Detail kann ich leider nicht gehen, da der Artikel sonst den Rahmen sprengen würde, obwohl es noch einiges gäbe, was hier erwähnt werden könnte.

Faltbares Smartphone: © dpa

Interessant ist die letzte Innovation, von der ich euch erzählen möchte. Es handelt sich um die nächste Stufe der Smartphones und zugleich einer neuen Produktsparte. Die Rede ist von den Foldables. Im vergangenen Jahr enthüllte Samsung sein Galaxy Fold, Huawei präsentierte zeitgleich seine eigene Herangehensweise an faltbaren Smartphones. Ganz aus dem Nichts kam diese Entwicklung natürlich nicht. In den letzten Jahren wurden immer wieder Prototypen biegbarer Paneele gezeigt. Ein davon profitierendes Gerät blieb aber aus. Mittlerweile sind fünf verschieden Foldables auf dem Markt. Bisher werden alle von Problemen begleitet. Das schwerwiegendste Problem obliegt dem Kern der faltbaren Geräte, und zwar dem Display. Da diese nicht aus Glas, sondern Plastik bestehen, sind sie extrem anfällig für Kratzer und Beschädigungen. Auch die Haltbarkeit birgt so manche Tücken, denn Plastik wird nun mal mit den Jahren spröde und ist durch zu hohe oder niedrige Temperaturen leicht zu beeinflussen, Glas hingegen nicht.

Wie das bei neuartigen Technologien so ist, lassen sich Samsung und Co ihre faltbaren Smartphones einiges kosten. Im Schnitt bis zu 1800 €, was eher für Technikliebhaber interessant ist. In den nächsten Jahren wird der Preis gewiss sinken und die Produktion günstiger werden. Es gibt viele Schwachstellen, an denen noch gearbeitet werden muss, bis hier eine breitere Masse an Käufern angesprochen werden kann. Die ersten, wenn auch fehlerbehafteten Schritte sind immerhin getan, jetzt wird sich zeigen, wie lange der Prozess andauert, bis wir wieder in einem Kreis der Evolution feststecken. Irgendwann hat das Smartphone einen Punkt erreicht, an dem es zur Perfektion gebracht wird und dann ist einfach Schluss, doch bis dahin lass ich mich gerne überraschen. Vielleicht widme ich dem Thema einen zweiten Teil und erzähle euch von den kleinen, aber auch großen Innovationen, die die Smartphoneindustrie gerade erfährt.

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Fabian Piehl

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