Verliere Dich – Ein goldgelber Bericht über die Oscarnacht 2020Lesedauer ca. 3 Minuten

© Dirk Stefanski

Kaum ein Event hat bis heute eine stärkere Anziehungskraft als die Verleihung des Goldjungen. Die Oscarverleihung zieht Menschen aus aller Welt an. Absolut „jeder“ träumt von dem Erhalt dieses glatzköpfigen Prachtexemplars des Materialismus. Jeder Nominierte hofft darauf, niemand glaubt daran. Während vor der Veranstaltung noch schnell die lang geübten Dankesreden wiederholt werden und hoffentlich niemand dabei vergessen wird, bin ich nach diesen Nächten gespannt wie ein Flitzebogen, was die Eyecatcher im medialen Wahnsinn sein werden.

Ob es nun die Titelmusik vom weißen Hai war, welche eingespielt wurde, um die euphorischen Gewinner der Effektkunst von „Life of Pi“ von der Bühne zu delegieren oder Outings, Stolpereien, Verwechslungen und heiße Küsse. Solche wunderbaren Debakel haben diese Veranstaltung in den vergangenen Jahrzehnten zu etwas Besonderem gemacht.

Letztes Jahr wurde auf einen Moderator verzichtet. Nun sollten die Oscars neu strukturiert werden. Wie im vergangenen Jahr hat die Academy mit der neuen unriskanten Version den Wartefrust auf die nächste Sensation gesteigert. Jedoch schallt die funky Stimme von Janelle Monáe zu Beginn in meine Ohren und ich werde erstmals für das Warten entlohnt. Die Trophäe für den besten Nebendarsteller wandert in die Arme des attraktivsten Pittbulls der Welt und unerwartet erhält Laura Dern den Jurassic Park Gedächtnis Oscar für Ihre Rolle in „Marriage Story“.

Kurz bevor die Titelseite des nächsten Tages auf der Bühne erscheint, wird mir bewusst, was das neue Konzept der Oscars ist. Musikalisch unterlegte Einspieler statt einer humoristisch geführten Veranstaltung stürmen sich durch die Nacht.

Eminem, Eminem, Eminem ist der Aufhänger des Abends. Slim Shady wirkt jedoch eher asynchron und hat wohl auf der Fahrt zum Studio schnell noch einen Werbeauftritt zu erledigen. „Lose Yourself“ bringt trotzdem Schwung in die Bude und medial wird am nächsten Morgen berichtet werden, dass er 17 Jahre zu spät dran war, nachdem er 2002 seinen Oscar nicht selbst abgeholt hatte.

Der selbstironische Auftritt von James Corden und Rebel Wilson in ihren schlechten Katzenkostümen linderte meine Tränen, welche mir nach den Trailern von „Cats“ über die Augen rannten. Die laufen leider auch weiter als der Tod von Kirk Douglas verkündet wird. Da ging einer der wandlungsfähigsten Schauspieler des letzten Jahrhunderts in den Ruhestand. Mein Spartacus! Gegen Ende werden schließlich noch die Hauptdarsteller ausgezeichnet und der beste Film. Joaquin Phoenix erhält für sein Lachwerk in „Joker“ einen und Renée Zellweger für „Judy“. Was würde der Zauberer von Oz wohl dazu sagen? Zumindest wäre er erfreut über den Oscar für den besten Film: „Parasite“! Es sieht so aus als hätte die Academy of Motion Picture Arts and Sciences den gewollten Neustart angesteuert.

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