Krise ist, was wir daraus machenLesedauer ca. 2 Minuten

© Jessica Schwarz

Wenn die Kultusminister tagen, scheint es, als stünde die Zeit seit März 2020 still. Überlastete Server beim Online-Unterricht, Kommunikation ohne Planungssicherheit und fehlende Schutzmaßnahmen wie Raumluftfilter in Schulgebäuden – zusammengefasst herrscht Realitätsverlust auf allen politischen Ebenen. Die Berliner Landesregierung zeigt im höchsten Maße, wie fern dem Schul- und Pandemiealltag sie regiert. Wir, die Betroffenen sind dem hilflos ausgesetzt und tragen die Konsequenzen dessen Tag für Tag auf unseren Schultern.

Doch sind wir auch ohne politischen Rückhalt in der Lage, die Herausforderungen, welche die Pandemie mit sich bringt, zu bewältigen. Statt uns starren Strukturen anzupassen, blieben wir flexibel und nutzten jede Möglichkeit, um auf Kurs zu bleiben. Wir haben es geschafft, bestehende schulische Hierarchien aufzubrechen und trotz des immensen Drucks aufeinander Acht zu geben. Der Einsatz der Lehrkräfte wurde anerkannt und unsere Ängste respektiert. Aus jeder Unterrichtsstunde wurde somit das Optimalste, dass wir unter solch distanzierten Gegebenheiten ermöglichen konnten. Gelernt haben wir außerdem, aufeinander Bedürfnisse zu achten. In jenem Moment, in dem die Notwendigkeit dafür bestand, hatte jedwede Ermutigung, intensiver Austausch und ehrlicher Dialog große Auswirkung auf jede*n von uns. Ideen Einzelner wurden zu kollegübergreifenden Strategien entwickelt, die der Unterrichtsdurchführung zwar eine legitime Norm gaben, jedoch dessen Gestaltung sämtliche Freiheiten ließen. Die kontinuierliche Konsultation wurde in beide Richtungen motiviert aufrechterhalten und brachte so einiges mit sich: Lehrkräfte erweiterten ihr technisches Know-how, unsere Sozialarbeit etablierte einen kollegeigenen Podcast und Lerngruppen für diverse Fächer wurden ins Leben gerufen.

Und genau das ist gelebte Demokratie! Einander zuhören, Verständnis aufbringen und mit Empathie zusammenhalten. Das Schaffen von gemeinsamen Grundlagen durch soziale Verantwortung sowie das Erarbeiten von lösungsorientierten Kompromissen bilden den Kern gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Das alles macht eine funktionierende Gesellschaft aus und ist der Schmierstoff, der alle Zahnräder in Bewegung hält. Ohne unser tägliches Zusammenspiel, kann keine Ökonomie arbeiten und kein Staat bestehen. Gerade fördern wir nicht nur unsere Sozialkompetenz, sondern nehmen aktiv Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung während der Pandemie. Denn jede*r von uns ist die Gesellschaft, wird eines Tages diese Schule verlassen und die Erfahrungen einer gemeinsamen Anstrengung weitergeben; weiterleben; integrieren. Diese Krise ist furchtbar, doch was wir daraus machen ist großartig!

Über den*die Autor*in
Richard Kummer
Redakteur -

Richard ist Redakteur der KoZ und seit der ersten Stunde Feuer und Flamme für dieses Projekt.

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Richard Kummer
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