Von einer Krise zur anderenLesedauer ca. 3 Minuten

Die Umwelt profitiert zum Teil vom gesellschaftlichen Stillstand, doch was bedeutet die Corona-Krise für die Klimakrise konkret?

In Venedig kann man wieder auf den Grund des Bodens sehen, in Sizilien nähern Delfine sich dem Festland. In China hat der Rückgang des Ausstoßes von Stickstoffoxid dazu geführt, dass man, statt Nebel, blauen Himmel sehen kann.

Laut dem britischen Klima-Informationsdienst Carbon Brief führt die Corona-Krise sogar zum größten jährlichen Rückgang an CO2, nämlich, laut einer Prognose der internationalen Energieagentur, um 2.600 Millionen Tonnen. Dem entsprächen 8% der globalen Emissionen von 2019. Diese positiven Effekte für Klima und Umwelt sind aber nicht von langer Dauer. Um das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen, müssten, Carbon Brief zu Folge, die globalen Emissionen in diesem Jahrzehnt jedes Jahr um ca. 7,6% sinken. Und Industrie und Wirtschaft werden versuchen, die Verluste zu Beginn des Jahres mit einer höheren Produktion auszugleichen. Die Emissionen werden sich also wieder deutlich erhöhen.

Diesbezüglich äußerte der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, kurz RND, es sei von einem “Einmaleffekt” bei Treibhausgasen zu sprechen. „Nach der Krise sind diese Emissionen wieder da“.
Die Corona-Krise könnte sogar zu Lasten des Klimaschutzes gehen. So hat der Wirtschaftsrat der CDU eine Überprüfung der Klimavorgaben gefordert. Es sollten “prinzipiell alle Sonderbelastungen der deutschen Wirtschaft auf den Prüfstand“ gestellt werden, die “einer Erholung im Wege stünden“, sagte der Generalsekretär des Rates, Wolfgang Steiger, der „Süddeutschen Zeitung“. Weiter warnte er vor einer “Deindustrialisierung“ und sprach sich für eine “zeitliche Streckung der klimapolitischen Zielvorgaben“ aus.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) findet, der „WELT“ zufolge, es hingegen wichtig “Klimaschutz und Prosperität miteinander zu verbinden“. Dies sei ihrer Meinung nach umsetzbar: „Wenn wir den Weg aus der Corona-Krise auch dazu nutzen, klimaverträgliche und nachhaltige Wirtschaftsstrukturen zu fördern.“

Welche positive Wirkung die Corona-Krise aber auf die Klimakrise haben kann, ist die des politischen Willens zum Schutze der Gesellschaft. Dazu äußerte sich Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer gegenüber dem ZDF:
“Wir wissen, dass politischer Wille, wenn er denn da ist, Berge versetzen kann. Das erfahren wir in der Corona-Krise gerade hautnah. Was dieser Tage politisch abgeht, entblößt am Ende des Tages auch die Verweigerungshaltung der Bundesregierung, die Klimawissenschaft ernst zu nehmen und das Pariser Abkommen einzuhalten.“

Des Weiteren hört die Politik nun auf die Wissenschaft. Sie beruft sich auf Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) und bezieht Virologen in den Entscheidungsprozess mit ein. Gleiches sollte auch im Bezug auf die Klimakrise viel stärker geschehen.

“Wir hören ganz anders Experten zu. Ganz Deutschland hört dem Virologen Christian Drosten zu. Und das ist genau richtig. Man hört auf die Profis und man entwickelt ein Solidaritätsgefühl“, so Neubauer im Gespräch mit dem ZDF.

Über den*die Autor*in
Nadja Böllinger

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